Sie befinden sich hier:Home arrow Biographie arrow Hermann Leopoldi
PDF Drucken

Hermann Leopoldi Wann und wo der Name "Hermann Leopoldi" fällt, dann erwachen im Nu alle guten Geister heimischer Volksmusik, schmunzeln die Genien des Wienerliedes, des Schlagers - glaubt man vor sich das breite Vollmondgesicht seines Schöpfers, des ewig lächelnden, freundlichen Hermann Leopoldi zusehen, wie er am Flügel sitzt und seine Melodien - zündend und eindringlich, wie nur er es konnte, durch die Ohren in die Herzen seiner Zuhörer spediert! Jawohl - dieser Leopoldi - war kein bloßer Klavierhumorist, kein "Alleinunterhalter" - wie es deren gibt - nein, er war und bleibt wohl eine Institution - ein Denkmal - heimischer Melodie und Schlagerkunst. Dieser Hermann Leopoldi war ein richtiges Wiener Kind - aus dem Vorort Meidling stammend - also ein "Meidlinger Bua" - wie er einstens sang. Er war ein schlimmer Bub, der sich auch in der Schule keine Lorbeeren holte, vor allem im Rechnenwar er schwach - und das blieb sein ganzes Leben so - aber seine Eltern erkannten bald, dass der Junge musikalisches Talent hatte, was wohl in der Familielag - sein älterer Bruder war ebenso Pianist wie der Vater, der alsbald den Klavierunterricht seines Sprößlings Hermann leitete. Aber dieser schlimme Bub wollte nicht üben. Trotzdem war das in ihm schlummernde Talent so stark, dass es sich siegreich über derlei Mängel erhob - sein Naturtalent spottete allen pädagogischen Gesetzen.

Dann brach der erste Weltkrieg aus - der junge Hermann mußte einrücken, und schon damals erwies er sich unter den kameraden als glänzender Unterhalter - der die Schlagerlieder der Zeit (noch keineswegs eigene Schöpfungen) ganz vortrefflich zu Gehör bringen konnte. Als der Krieg zu Ende gegangen war, hatte Hermann Leopoldi bereits seine Berufswahl vorgenommen: Als Klavierhumorist trat er in diversen Wiener Bars und Nachtlokalen Engagements an - z.B. in der Herrenhofbar - spielte und sang sich spontan in die Herzen der Zuhörer. Es waren die Notjahre nach dem verlorenen Krieg - an allem herrschte Mangel - die Karbidlampen in den Nachtlokalen qualmten und erzeugten schlechte Luft - aber was kümmerte es das Publikum? Dieser Mann da am Klavier - dieser hermann Leopoldi war erstklassig. Und so holte dieser bald zum großen Schlag aus, verband sich mit dem ausgezeichneten Conferencier Fritz Wiesenthal und seinem Bruder Ferdinand, um zu dritt das Etablissment "LW" (Leopoldi - Wiesenthal) zu gründen, das zum populärsten, bestbesuchten Unterhaltungslokal der Nachkriegszeit wurde. Das Publikum strömte herein - und die Unternehmer scheffelten nur so das Geld, brachten allerdings das Kunststück zu Wege, es ebensoschnell wieder auszugeben. Im "LW" zeigte Leopoldi zum erstenmal sein grandioses Talent als Komponist - denn bald sang ganz Wien seinen ersten großen Schlager, "Schön sind die Mädeln von Prag".

Leopoldi schwamm auf dem Wellenkamm des Erfolges, als es im Jahre 1938 zum Umsturz in Österreich kam, wodurch unser Barde des Wienerliedes ins KZ mußte und dann nur zur Ausreise nach den USA entlassen wurde. Mittellos traf Hermann Leopoldi in New York ein - aber er brauchte bloß ein Klavier, an dem er Platz nehmen durfte - nur ein paar Leute, die ihm zuhörten, um sich weiter zu helfen. Beides fand er in Amerika ... Bald spielte und sang er in einer kleinen Bar am Broadway - besang die Zeit mit "Nowaks aus Prag" und d"Da wär's halt gut, wenn man Englisch könnt" - hatter Erfolg wie eh und je. In New York begegnete er seiner einstigen Partnerin Betja Milskaya, die nun verheiratet eine große Dame geworden war und ihm nicht mehr zur Verfügung stand, aber dafür fand er eine neue Partnerin in Helly Möslein - "Sah' ein Knab' die Möslein steh'n" - und die blieb ihm fortan Partnerin und Lebensgefährtin bis zum Schluß. Dann war auch der2. Weltkrieg zu Ende - die Heimat befreit, und so kehrte Leopoldi mit Helly Möslein alsbald nach Wien zurück - er wußte trotz aller New Yorker Erfolge, wohin er gehörte, wie sehr er mit "seiner" Stadt an der Donau verbunden war!

Und so setzte er wieder in Wien fort, wo er aufgehört hatte. Seine Triumphe waren dieselben wie vorher - seine Lieder und Schlager jedoch neu, in unwandelbarer Schaffenskraft, einem Medlodienreichtum, dem die Jahre nichts anzuhaben schienen. Bald sang ganz Wien und Österreich die "Powidltatschkerln", "Die kleinen Seitengassen" und manch anderen brandneuen Leopoldischlager, alle hatten dieselbe Wirkung - wie etwa sein "I bin a stiller Zecher" und "Die Überlandpartie". Unverändert - im Aussehen und in seiner Kunst - aber auch in seinen Charaktereigenschaften durchlebte er seine Zeit - blieb Spieler, Liebhaber schöner Frauen und Trinker - dies allerdings nur auf Kaffee bezogen, von welchem Genußmittel er ungeheure Quantitäten zu sich nehmen konnte. Wiederum rissen sich alle Lokale, alle Varietees und Bars - alle Veranstaltungen um das Auftreten Hermann Leopoldis und seiner neuen Partnerin Helly Möslein, wiederum freuten sich die Buchmacher und Totalisateure auf den Rennplätzen an dem Wiedererscheinen ihres getreuesten Kunden und sichersten Einnahmebringers...

Alles schien weiter zu gehen wie früher. Das Fernsehen wurde große Mode - und Leopoldi schickte sich an, via Television die breitesten Massen in Deutschland und Österreich zu erobern. Da erlitt er seinen Herzanfall. An dem Tag, an welchem er ins Spital eingeliefert wurde, lag der Verlag bereit, der ihn zum Auftreten an sämtlichen Sendern der BRD verpflichtet hätte. Aber des Nimmermüden Herz war nun dich müde geworden, machte nicht länger mit - er konnte das Spital nicht mehr verlassen und starb wenige Tage nach seiner Einlieferung...

Einmal hatte der witzige Professor humoris causa Karl Farkas gesagt: "Der Wiener Zentralfriedhof ist voll von Leuten, die sich einst für unersetzlich gehalten haben." Farkas selbst und sein Freund Hermann Leopoldi straften diesen Satz Lügen. Ein Hermann Leopoldi kommt niemals wieder! Das beweisen seine Schallplatten, von denen er glücklicher Weise eine große Anzahl besungen hatte. Da ertönt seine Stimme wie "einmal im Mai'", da schwingt und klingt als Unterton sein Lachen mit, der Frohsinn, die Behaglichkeit seines Vortrags, da glauben wir dabei sein breites Lächeln zu sehen - da strömt diese Schallplatte die Magie, den Zauber des Einmaligen, Unersetzlichen aus - eben den ganzen Hermann Leopoldi, wie er einst leibte und lebte ...!

 
 

© 2018 Alle Rechte vorbehalten .::. Page and Design by raven-worx